Empire Me - Der Film


  • Wie geht Glück, Herr Poet?

    Interview mit Paul Poet: "Dann werd' doch selbst ein Staat"

    Video auf Süddeutsche.de

  • Du bist die Welt

    Die Do-it-yourself-Gegenwelten - ein Kontrast zur übrigen Welt. Wenngleich sie erst austarieren müssen, wo das Wir beginnt, dieses grundpolitische Prinzip. Schließlich wohnt Freiheit stets ein Dilemma inne: Wie sehr braucht man andere - und bleibt selbst souverän?

    taz.die tageszeitung

  • L’État, c’est moi

    Dass nicht einer der in Empire Me vorgestellten Mikrostaaten von den Vereinten Nationen als souverän anerkannt wird, verschweigt Poet geflissentlich. Es geht ihm nicht wirklich um das juristisch-bürokratische Prozedere der Errichtung eines eigenen Staates. Poet ist vielmehr an den Menschen interessiert, die solche Vorhaben umsetzen, an deren Neuerungs- und Abenteurergeist sowie an der Chuzpe, mit der sie den etablierten Großnationen an den Karren pinkeln.

    Spex - Magazin für Popkultur

  • Die Utopie sind wir

    Nur hin und wieder kommentiert Paul Poet seine Bilder. Der Film bildet die Realität nicht eins zu eins ab. Eher versucht er, sie zu verstehen. Überzeugend gelingt das zum Beispiel in dem Teil über das ZeGG, das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung, das sich auf dem Gelände eines ehemaligen Olympiadorfs von 1936 in Brandenburg befindet. Eine Kommune, die die Befreiung der Sexualität ins Zentrum stellt. Empire me zeigt, dass darunter mehr zu verstehen ist als Gruppensex und wechselnde Sexualpartner. Dass dazu auch eine andere Art der Lebensgestaltung gehört, eine andere Art des Liebens. Ob das der Weg in die Freiheit ist oder die Regressionstherapie, indem sich eine Gruppe nackter Menschen auf einer Plastikplane in die Ursuppe zurückversetzen will – die Schlussfolgerung bleibt dem Zuschauer überlassen.

    Zeit Kultur | Film & TV

  • Tageszeitung KURIER

    „Empire Me“: Einer der vielen essayistischen Dokumentarfilme, die bei der Diagonale 2011 überzeugten. (...) Darüber hinaus waren eindringlichen Studien zu sehen, die oft jahrelange Recherchen erforderten - wie etwa Paul Poets "Empire Me", in dem sechs Mikronationen dieser Welt in grafisch und kameratechnisch atemberaubender Manier näher gebracht werden. Der Film erzeugt eine Nähe, die man in dieser Bildqualität und Poesie eher von Spielfilmen erwartet.

    (Peter Temel, Tageszeitung KURIER) vom 27.03.2011

  • Die Welt hat vier Buchstaben

    Die Diagonale zeigt österreichisches Kino. Und gute Filme. Zum Beispiel von Kern. Oder Wüst. Auch von Poet.
    So ist das also, so geht das also: nämlich gar nicht. Da sitze ich an diesem wunderschönen Sonnenvormittag in Graz, während das Leben an einem vorbei galoppiert und überall der österreichische Film gefeiert wird. Geht das so? Natürlich, muss man da sagen. Irgendwo, irgendwann, irgendwie soll sich das heimische Filmschaffen ja auch aufbäumen zu einem Lebenszeichen, unabhängig von Festivals und sonstigen Abhängigkeiten. Ein wenig Freiheit weht durch die Stadt. Auch ein wenig Gleichheit. Der österreichische Film, das ist Behauptung, und wer weiß schon, ob die stimmt, der spitzt sich gerne zu: während die bundesdeutschen Nachbarn die flächige Form perfektioniert haben und das Kino dort konfektioniert scheint wie eine Bonbonniere, gibt sich Österreich, jedenfalls auf dem Revers, gerne unangepasst und radikal. Weh tun will man, Wahrheiten aufzeigen. Das ist auch bitter nötig.

    (...)

    Und dann war da noch Poet. Paul Poet. Auch er ein ungewöhnlicher österreichischer Regisseur. Er filmt Christoph Schlingensiefs Container-Aktion in Wien und bringt sie als „Ausländer Raus!“ in die Kinos. Jetzt erzählt er in Empire Me nicht von Containersiedlungen aber von einer anderen Art abgesetzten, irgendwie auch inszenierten Lebens. Von Mikronationen, von Menschen, die sich einen Flecken Erde teilen und diesen beherrschen. Sie gründen ihre eigenen Nationen, schreiben
    Verfassungen, geben in einigen Fällen sogar Währungen und Briefmarken heraus. Die Utopie lebt, will man da schreien, bevor der Traum von Autonomie dann doch ein wenig bröckelt.

    (...)

    Poet, Kern, Wüst. Diese drei Namen sprechen für sich selbst und sagen dennoch so viel mehr. Auf ihren Schultern ruht die Hoffnung, nicht ausschließlich, aber unbedingt für den österreichischen Film. Sie sind die Eigensinnigen, die Kämpfer, diejenigen, die sich nix scheißen, weil sie Meinungen haben. Und Haltungen. Ihre Wichtigkeit für dieses Land kann man gar nicht überbewerten. Sie wecken und fahren ein, sind im Kern wüste Poeten. Es geht voran.

    (Markus Keuschnigg, FM4) vom 25.03.2011

  • Poet beschreibt diese und noch einige andere Mikrostaaten, ohne sich über deren Bewohner vordergründig lustig zu machen. Er missbraucht das Vertrauen der „Staatsangehörigen“ nicht. Gerade deshalb darf er so gut wie überall filmen - und niemand nimmt sich ein Blatt vor den Mund. Das ist die Qualität der Doku: dass diese Menschen erzählen, worum es ihnen wirklich geht, weil sie sich ernst genommen fühlen. (...) Das umfassende Recherchevorhaben mit Drehs rund um den Globus ist geglückt, man stellt sich als Zuseher am Ende die Frage, die auch im Film immer aufgeworfen wird: Gibt es Freiheit überhaupt? Und wenn ja: Kann man sie in irgendeiner Gesellschaftsform herstellen, oder ist das eine Illusion? Vielleicht sollte jeder für sich seinen Einzelstaat gründen. Aber dann gewinnt am Ende wieder der Stärkste.

    (Simon Hadler, ORF.at) vom 24.03.2011

  • Und dann war da noch Poet

    Einnehmend ist auch der Dokumentarfilm "Empire Me" von Paul Poet über sogenannte Mikronationen, Orte anarchischer Selbstbestimmung, an denen sich Menschen am Rande der Globalisierung weltweit einen eigenen Kosmos geschaffen haben, auf der Suche nach Identität und Zusammenhalt. Gemein ist all diesen Filmen, dass sie nach einer Debatte schreien, und dafür war die Diagonale immer ein gutes Forum.

    (Matthias Greuling, Alexandra Zawia, WIENER ZEITUNG) vom 25.03.2011

  • Die Welt ist nicht genug

    Zwischen Konstruktion und Abbild: Anmerkungen zu dokumentarischen Positionen auf der Diagonale 2011:

    (...)

    An den Bruchstellen einer globalisierten Gesellschaft tummeln sich noch eine ganze Reihe weiterer Essay- und Dokumentarfilme, die auf der Diagonale liefen.

    (...)

    Ein letzter Filmessay, dazu einer, der offen für den Gedanken, den er fotografiert, Partei ergreift. Acht Jahre lang hat Paul Poet weltweit Mikronationen und obskuren Gemeinschaften nachgespürt, kleinen Inseln der Autarkie im Strom der globalen Vernetzung, und in "Empire Me" sechs von ihnen porträtiert. Mit einem "Blick von innen", wie er selbst sagt. Die Eigensicht dieser Do-it-yourself-"Staaten" steht damit im Vordergrund, Poet verzichtet darauf, nach Ursachen oder Brüchen zu forschen, staunt vor allem über die Energien, die von der Nordsee-Plattform Sealand, dem Esoterik-Disneyland Damanhur im Piemont, der Freie-Liebe-Kommune ZeGG oder den Swimming Cities of Serenissima ausgehen. Unproblematisch ist das nicht. Bei den "Swimming Cities", selbstgebastelten Booten, mit denen ein Künstlerkollektiv 2009 durch die Adria kreuzte, geht Poets Projekt am ehesten auf, seine Suche nach einer anderen Wirklichkeit trifft auf die Realitätskonstruktion eines Kunstprojekts. In der Schlusssequenz treiben die Sperrmüllfloße friedlich über den Canal Grande von Venedig, aus dem Off singen Dark, Dark, Dark: "A golden thread I spin. I dance like this for me." Dokument einer besseren Welt? Bloße Montage? Worin läge da der Unterschied? Und ganz am Ende geht dann auch noch die Sonne auf.

    (Thomas Wolkinger, Falter)

  • Die animierten Sequenzen, die die einzelnen Abschnitte der Dokumentation Empire Me einleiten, verbildlichen durch ihre Collagenhaftigkeit, ihre Überlagerungen, Bewegungen, schnellen Schnitte und Zeitrafferaufnahmen das Thema des Films. Behandelt wird das menschliche Zusammenleben, vor allem das innerhalb eines Staates, dieses an sich künstlichen Zusammenschlusses verschiedener Menschen. Besonders vielleicht angesichts der Globalisierung und der Tatsache, dass sich ein großer Teil des alltäglichen Lebens nicht mehr am physikalischen Aufenthaltsort abspielt, sondern in einer virtuellen Gesellschaft, erscheint die Frage danach, wie ein Staat sein sollte, an was sich seine Regeln orientieren sollten, zentral. Neben der Familie, in die man geboren wird, ist es wohl das Heimatland, dass den Menschen am grundlegendsten prägt.

    Für viele jedoch ist der Staat, in dem sie wohnen, eine gegebene Sache. Ist man unzufrieden mit dem Lauf der Politik und der Entwicklung der Gesellschaft, sind die Möglichkeiten, dies zu ändern, begrenzt. Protest oder der Eintritt in die Politik sowie Auswanderung sind denkbar. Es gibt allerdings Menschen, die einen anderen Weg wählen, und von ihnen berichtet Empire Me.

    Sechs Mikronationen werden vorgestellt. Es handelt sich bei fast allen von ihnen um anerkannte Kleinststaaten, die irgendwann in den letzten fünfzig Jahren entstanden sind. Die Beweggründe für ihre Gründung sind verschieden und Empire Me kommentiert diese sowie die grundlegende Problematik über die Reihenfolge, in der die Staaten vorgestellt werden.
    (...)
    Sich völlig aus dem Weltgefüge herausnehmen, ist nicht möglich. Vielleicht leben wir heute ein globalisiertes Leben, aber unser physikalischer Aufenthaltsort ist immer noch entscheidend für unser Leben. Empire Me zeigt Menschen, die sich mutig und selbstbewusst eine eigene Lebensführung erarbeiten, zeigt aber auch sehr deutlich die Grenzen davon auf.

    (Elisabeth Maurer, Negativ) vom 16.11.2011

  • Unterwegs in Gegenwelten

    Angesichts von Schuldenkrisen, spekulativen Rettungsfonds und drastischen Sparpaketen, wer denkt da nicht an Auswandern? Einfach weg. Doch wohin? Wo lebt es sich gerechter, gesünder und entspannter als vor Ort? Das fragte sich auch Regisseur und Künstler Paul Poet. Er machte sich auf die Suche und fand Menschen, die in ihrem eigenen Utopia leben. Mehr als 500 solcher Mikroorganismen soll es weltweit geben. Poet besuchte 30 Ministaaten. Sechs wählte er für seinen Film Empire me - Der Staat bin ich! aus.

    In kleinen Episoden, die durch Zwischenbilder und – texte verbunden werden, stellt Poet Gründer und Bewohner der so genannten Mikronationen vor. Man ist gespannt: Sind sie glücklicher und zufriedener? Sind sie unabhängig und frei von zum Beispiel wirtschaftlichen Verwerfungen? Geht es bei ihnen gerechter zu? Mit anderen Worten: Wäre ein Ministaat eine Alternative zum "normalen Leben" in einem "normalen Land"?

    Poet gelingt eine staunenswerte Kolportage über nahezu unbekannte (Mini)Staaten. Eine bunte Palette, die sich grob unterteilt in esoterische Sektierer, politisch-künstlerische Aktivisten und skurrile Eigenbrötler. Während die einen ein weltabgewandtes Leben, konzentriert auf ihren eigenen Mikrokosmos, führen, verzetteln sich die anderen in Scharmützeln mit der Außenwelt oder kopieren das alte Leben mit angepasstem ideologischem Überbau.
    (...)

    Allein für seine Filmidee gebührt Paul Poet großes Lob. Er erweitert den Horizont. Sich auf sechs Mikronationen zu konzentrieren, birgt aber Vor- und Nachteile. Vorteil ist eine gewisse Bandbreite, die Gefahr der Langeweile ist auf ein Minimum reduziert. Der Nachteil dieser Vorgehensweise besteht aber in einer tendenziellen Beliebigkeit. Poet macht kaum einen Hehl aus seiner Position. Das, was er über eine Gemeinschaft zeigt, ist seine Sicht. Für anderes bleibt keine Zeit. Dabei wünschte man sich, mehr über den tatsächlichen Alltag der Gemeinschaften mitzuerleben. Man wünschte sich, Poet würde tiefer in die Materie eintauchen, als sein Film den Anschein macht.

    Filmisch gelingen ihm spektakuläre Bilder. Polizeistaat in Christiania. Ausufernde Gewalt. Ein Katastrophenfilm. Die wahnwitzigen Serenissima-Flöße, die in der Dämmerung durch die Wasserstraßen Venedigs gleiten. Bizarre Schönheit. Das scheppernde Rost-Ungetüm Sealand. Drohend und faszinierend zugleich. Auf der anderen Seite leider auch reportagenhafte Allerweltsbilder.

    Insgesamt ist Empire Me - Der Staat bin ich! eine unterhaltsame und witzige Tour durch die bizarre Welt der Mikronationen, lediglich die teilweise etwas tendenziösen Zwischentexte des Regisseurs schränken das Vergnügen ein.

    (Monika Sandmann vom)